angeboten: pädagogische Landesinstitute für Lehrerfortbildung, regionale und kommunale Schulämter, Umweltministerien der Länder (die zumeist Materialien bereitstellen oder Bildungszentren fördern), sowie private Initiativen, Stiftungen, Umweltverbände und Vereine. Die Recherche erfolgte zum Thema erneuerbare Energien (EE) in allen 16 Bundesländern. Die Ergebnisse beinhalten z.T. auch Angebote der Schulämter, sofern ein direkter Link auf der Homepage des Schulamtes vorhanden war, oder anderer externer Institutionen, die i. A. des Landesinstituts Kurse anbieten. Dargestellt werden Angebote in den Jahren 2005 bis Mitte 2007. Des Weiteren wurden die ermittelbaren Angebote der pädagogischen Hochschulen in Baden-Württemberg und der Universitäten in Niedersachsen recherchiert. Für die Umweltbildung ist auch das bundesweite Programm „BLK-Programm Transfer 21“ von Relevanz, innerhalb dessen u.a. auch Lehrerfortbildungen, oft in Zusammenarbeit mit den staatlichen Landesinstituten, zum Thema EE angeboten werden. Bis auf wenige Ausnahmen beteiligen sich die meisten Bundesländer an diesem Programm. Diese Beteiligung wird zumeist als einer oder der wichtigste Beitrag des Landes zur Umweltbildung hervorgehoben.
In allen Bundesländern fanden sich Fortbildungen für Lehrer im Bereich Erneuerbare Energien. Dabei bestehen zwischen den Ländern große Unterschiede hinsichtlich der Zahl der Angebote und besonders in Bezug auf die Organisation und Reichweite dieser Fortbildung. Folgende Formen der institutionellen Einbettung der Lehrerfortbildungen zum Thema Erneuerbare Energien sind in den Ländern realisiert:
* Von den staatlichen Fortbildungsinstituten werden Fortbildungen
zum Thema EE im Rahmen der Fachlehrerfortbildung, meist im Bereich
Physik / Naturwissenschaften, angeboten (z. B. Hessen, Thüringen).
* Staatliche Institute haben einen eigenen Bereich Umwelterziehung
und / oder spezielle Fachberater bieten Fortbildungen in diesem
Bereich an (z. B. Bayern, Brandenburg, Saarland).
* Es gibt landeseigene Zentren speziell für Umweltbildung, die
Aufgaben der Lehrefortbildung übernehmen (z. B. Landesschulzentrum
für Umwelterziehung in BW, Zentrum für Schulbiologie und
Umwelterziehung (ZUS) mit Energiewerkstatt in Hamburg,
Niedersächsische Lernwerkstatt für Solare Energiesysteme (NILS)
sowie Regionale Umweltbildungszentren in Niedersachsen).
* Außerschulische Träger übernehmen die Beratung von Schulen bei der
Entwicklung von Energiesparprojekten und führen im Auftrag der
Landesinstitute Fortbildungen durch, die in deren Datenbanken
ausgewiesen werden (z. B. Institut für Energie- und
Umweltforschung Heidelberg GmbH, Ufu e.V., solid Nürnberg und
Ökowerk in Berlin).
* Im Rahmen von BLK 21 / Transfer 21 gibt es Fortbildungsangebote
für Lehrer aller Schulen (z. B. in Mecklenburg-Vorpommern durch
das ANU-Bildungsmobil Energie und Umwelt) und / oder es werden
Fachberater als Multiplikatoren geschult (z. B. Rheinland-Pfalz.).
* Im Rahmen von Energiesparprojekten werden schulinterne
Fortbildungen durchgeführt bzw. Lehrer angeleitet (z. B. 3/4plus
in Bremerhaven, fifty/fifty in Hamburg und Berlin).
Ein Vergleich der Bundesländer in Bezug auf die Zahl der Angebote ist aufgrund der unterschiedlichen Größe der Länder und der unterschiedlichen Reichweite einzelner Angebote mit Hilfe der hier erhobenen Informationen nicht möglich. Ein Überblick über das Angebot (vgl. Anhang) lässt jedoch vermuten, dass in allen Bundesländern – unabhängig von der jeweiligen Organisationsstruktur und der Angebote im Einzelnen – gegenwärtig nur ein geringer Teil der Lehrerinnen und Lehrer von diesen Fortbildungen erreicht wird.Insgesamt betrachtet lässt sich eine Tendenz von meist fachbezogenen, zentralen Fortbildungsangeboten hin zu projekt- und schulbezogenen Angeboten beobachten. So wird z. B.
in mehreren Bundesländern im Rahmen landesweiter Projekte, meist im Zusammenhang mit „Transfer 21“, ein Schwerpunkt auf die Schulentwicklung gelegt. In diesem Kontext werden Fortbildungen zur Klima- und Energieproblematik im (fächerübergreifenden) Unterricht auf Abruf und schulintern angeboten oder Schulen bei der Bewerbung als „Agenda-Schulen“ oder „Umwelt-Schulen“ betreut (z.B. SINA Schulische Indikatoren für Nachhaltigkeitsaudit in Bremen, Entwicklung an sieben Modellschulen, „Agenda-Schulen“ in Schleswig-Holstein, schulinterne Fortbildungen in NRW, Fachberater für Nachhaltigkeitserziehung und „Netzwerkschulen“ in Rheinland-Pfalz).
Am deutlichsten zeigt sich diese Entwicklung im Land Nordrhein-Westfalen. Hier gab es bis vor einigen Jahren ein landesweites Fortbildungsprogramm „Umweltbildung in Schule und Unterricht in der Sekundarstufe“, das u. a. die Themen Klimagefährdung, Energiesparen u.
Sonnenenergienutzung und die Erkundung von Anlagen zur Nutzung regenerativer Energien und Alternative Energien/ Energiesparprojekte an Schulen beinhaltete. Im Zuge der Umstellung der gesamten Lehrerfortbildung in NRW, als deren Ergebnis Schulen nun eigenverantwortlich Programme für schulinterne Fortbildungen erarbeiten und dabei von ModeratorInnen der Bezirksregierungen beraten werden, wurden diese landesweiten Fortbildungen eingestellt. Die Schulen können dabei mit außerschulischen Partnern wie Unternehmen, Verbänden, Kirchen usw. kooperieren. Angebote zum Themenbereich Erneuerbare Energien gibt es seitdem nur noch auf Anfrage im Kontext von „Transfer21“ und „Agenda21“. Im Rahmen der Kampagne „Agenda21 in der Schule“ wurden Qualifizierungsmodule, z.B. „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ oder „Ökoaudit in Schulen“ angeboten, die Schulen bei Interesse abrufen können. Eine Fortbildung einzelner interessierter Fachlehrer zum Thema und seiner Umsetzung im Fachunterricht ist in diesem Rahmen nicht vorgesehen. Es stellt sich daher die Frage, ob bei der eigentlich zu begrüßenden Tendenz hin zu schulinternen Fortbildungen, die das ganze Kollegium ansprechen und hin zur Integration der verschiedenen Themen der Lehrerfortbildung mit umwelt- oder nachhaltigkeitspädagogischen Inhalten, nicht das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird, wenn solche Angebote die interessierten Fachlehrer im Zweifel gar nicht mehr erreichen, insbesondere wenn die insgesamt für die Angebote zur Verfügung stehenden Mittel aus Spargründen reduziert werden.
Umweltbildung ist zumeist bei den Umweltministerien verankert. Beispiele hierfür sind Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen. Als einzige Ausnahme hierbei ist die Umweltbildung explizit in Niedersachsen im Kultusministerium angesiedelt.Verschiedene Landesbildungsinstitute haben eigenständige Abteilungen zur Umweltbildung oder haben das Thema Umweltbildung auf ihren Webauftritten explizit hervorgehoben (Lisum Bbg – Brandenburg, NiLS – Niedersachsen, Landesinstitut für Pädagogik und Medien – Saarland, IPN – Schleswig-Holstein, Akademie für Natur und Umwelt – Schleswig-Holstein, Bayern - Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung).
Die inhaltliche Analyse der Fortbildungsangebote nach den Kriterien Energieform, Energiesparen, (Schul)-Fachausrichtung und Altersgruppe (vgl. Methodik) ergab zunächst, dass zu den einzelnen Energieformen ein vielfältiges und annähernd gleich verteiltes Angebot besteht. Dabei gibt es jedoch in den meisten Ländern nicht zu allen Energieformen Fortbildungsangebote. Fortbildungen im Bereich Energiesparen / Effizienz gibt es v. a. in denjenigen Bundesländern, in denen Projekte wie fifty/fifty oder „Agenda in der Schule“ durchgeführt werden.
Hinsichtlich der Jahrgangsstufen finden sich die meisten Angebote für LehrerInnen der Sekundarstufe I, insbesondere für Haupt- und Realschulen. Für Grundschulen und die Sekundarstufe zwei gibt es nur vereinzelt Angebote. Hinsichtlich der konkret-inhaltlichen und methodischen Ausrichtung der Fortbildungsangebote lassen sich folgende Zugänge unterscheiden, die nach Auskunft mehrerer Durchführender gleichermaßen auf Interesse bei Lehrenden stoßen:
* Besichtigung von Anlagen zur Erzeugung regenerativer Energien
(z.B. Windkraft- und Biogasanlagen) in der Region, Kennenlernen
der Funktionsweise und Thematisierung der Einbeziehung in den
Unterricht.
* Experimenteller Zugang (Kennenlernen oder Selbstbau von Modellen,
Einsatzmöglichkeiten in der Schule).
* Beratung vor Ort durch Fachkräfte, insbesondere im Bereich
Energieeinsparung.
Besonders auffallend ist die naturwissenschaftlich-technische Ausrichtung fast aller Fortbildungen. In der Regel stehen also die Funktionsweise der Techniken zur Erzeugung regenerativer Energien und ihre Anwendungen im Vordergrund. Die soziale und politische Dimension werden hingegen, zumindest in den Beschreibungen der Fortbildungsinhalte, in der Regel nicht oder nur am Rande thematisiert.
Entsprechend sind als Zielgruppe bei Fortbildungen für Fachlehrer (im Gegensatz zu schulinternen, projektbezogenen Fortbildungen für
Kollegien) meist Lehrer der Fächer Physik, Naturwissenschaft und Technik angegeben.
Defizite wurden insbesondere in drei Bereichen gefunden. Diese sind:
* Ein fehlendes Fortbildungsangebot im
gesellschaftswissenschaftlichen Bereich,
* ein Rückgang des „Breitenangebots“ in der Lehrerfortbildung zu
Erneuerbaren Energien sowie
* ein nicht ausreichendes Angebot in der Lehrerbildung
(Universitäten/Pädagogische Hochschulen).
Obwohl der letzte Bereich nicht die Lehrerfortbildung betraf, war er Thema auf dem Fokusgruppentreffen, weil er nach Ansicht der beteiligten Akteure nicht ausgeklammert werden sollte und z.T. als wichtiger als die Lehrerfortbildung eingeschätzt wurde.
Fazit
Das Interesse an Fortbildung zu Erneuerbaren Energien ist seit zwei Schuljahren durch Energiepreissteigerungen und Wetterkatastrophen sowie dem großen gesellschaftlichen Interesse an den Klimaänderungen erheblich gestiegen. Die recherchierten Angebote zur Lehrerfortbildung EE ergaben für die naturwissenschaftlich/technischen Aspekte (und die hier zuzuordnenden Schulfächer) ein ausreichendes, allerdings abnehmendes Angebot (vor 3 bis 4 Jahren hatte das Angebot die Nachfrage z. T.
übertroffen). Ein entsprechendes Angebot für die nicht-naturwissenschaftlichen Schulfächer fehlt fast vollständig und sollte entwickelt und verbreitet werden. Bei der Umsetzung der geplanten Dezentralisierung der Lehrerfortbildung einerseits und der Konzentration auf Multiplikatorenbildung im verbleibenden zentralen Bereich andererseits, drohen die EE gegenüber den obligatorischen Inhalten der schulischen Kernfächer an Boden zu verlieren. Hier muss darauf geachtet werden, dass ein Grundangebot für „normale“ Lehrkräfte (außerhalb von Leuchtturmschulen und ohne Multiplikatorenfunktion) erhalten bleibt. Die Lehrerbildung ist für die spätere Unterrichtsgestaltung vermutlich wichtiger, als die Fortbildung. Die gilt insbesondere in Zeiten steigender Unterrichtsverpflichtungen und wachsender sozialer Schwierigkeiten an den Schulen, die Fortbildung für viele Lehrkräfte zu einer Luxusaufgabe werden lässt, den nur besonders engagierte Kollegen wahrnehmen. Für bisher auf die Lehrerfortbildung ausgerichtete Institutionen kann es daher sinnvoll sein, über Angebote für die Lehrerbildung nachzudenken.
Schmidthals, Malte; Behriger, Rolf; Scharp, Michael, Wellige, Irina, Zech, Anja (2007c): Angebote für die Weiterbildung in erneuerbaren Energien für Pädagogen/innen. Ergebnisbericht PL6. Berlin: UfU Unabhängiges Institut für Umweltfragen.
Schmidthals, Malte (2008): Das Netzwerk „Schule, Energie und Bildung“. Ergebnisbericht PL7. Berlin: UfU Unabhängiges Institut für Umweltfragen.

